Warum der evangelische und katholische Religionsunterricht (RU) nach Art. 7 GG Ausdruck einer freiheitlichen und pluralen Gesellschaft ist und diese stärkt
- Ganzheitliches Menschenbild
RU bildet innerhalb des Bildungskanons die religiöse/spirituelle Dimension des Menschseins ab.
- Existenzielle Lebensfragen
RU ermöglicht die Beschäftigung mit und die Vergewisserung in Grundfragen des Lebens wie Geburt, Tod und Sterben, Sinn des Lebens, Leid, Schuld, Liebe, Gemeinschaft und Individualität, etc. und eröffnet dazu Perspektiven auf der Basis einer konkreten Religion bzw. Konfession.
- Religiöse Sprachfähigkeit
RU vermittelt die Kompetenz, sich in religiösen Dingen auszudrücken und übt diese ein.
- Kritikfähigkeit
RU bildet das Urteilsvermögen hinsichtlich religiöser Phänomene.
- Identitätsbildung und -stärkung
RU begleitet Kinder und Jugendliche auf dem Weg der Suche nach und der Ausbildung von Identität. Das impliziert die Möglichkeit zum Erleben und zur Reflektion religiöser Praxis.
- Konfessionelle Bindung
Die Bearbeitung existenzieller Fragen erfordert eine religiöse Authentizität der Lehrperson, die die Perspektiven der Religion aus der Innensicht erschließen kann.
- Interreligiöse Kompetenz
RU ermöglicht Wissen über und Begegnung mit anderen Religionen.
- Kulturwissen
RU eröffnet Zugänge zu und den Umgang mit den Heiligen Schriften der Religionen - im Christentum der Bibel - und zur kulturprägenden Dimension der Religion in Kunst, Musik und Literatur.
- Werte
RU hilft zu entdecken, wie Werteentscheidungen von religiösen und anderen Erzählungen des Lebens geprägt werden und dient so dem Kompetenzerwerb in Wertfragen.
- Gesellschaftlicher Zusammenhalt
RU thematisiert Fragen der Gemeinschaft und des Zusammenlebens, Umgang mit Differenz und Konflikten und fördert damit Toleranz, Respekt und Nächstenliebe als Grundbausteine für Frieden.
Thesen zum Religionsunterricht in der Grundschule heute
Religionsunterricht EGAL? – Nein, aber auch ja!
LAGE-Bericht aus Sicht der Grundschule
Eine Anmerkung zum Slogan und damit zur gesellschaftlichen Bedeutung von Religion heute
Vielleicht haben Sie sich über den abgebildeten Slogan EGAL? gewundert? Ist jetzt selbst den Verant-wortlichen für den Religionsunterricht in Baden-Württemberg die Religion egal geworden? Wenn da nicht das Fragezeichen wäre, könnte man das meinen.
Lesen wir das Wort einmal aus einer anderen Perspektive, von hinten nach vorne und dann steht da LAGE? Nimmt die Religion den Ernst der gesellschaftlich veränderten LAGE eigentlich genügend wahr oder lebt sie in einer Blase, fern jeglicher Realität, abgeschottet im Tempel ihrer eigenen Wirklichkeit?
Religionsunterricht findet statt im öffentlichen Raum der Schule. Oftmals wird er auch als Bindeglied zwischen Kirche und Schule angesehen, gerade weil er sich der öffentlichen LAGE nicht entziehen kann. Insofern ist dem Religionsunterricht im Spannungsfeld von Schule und Gesellschaft der Ernst der gesellschaftlichen LAGE sehr bewusst und er muss sich damit auseinandersetzen, und zwar vom ersten Schultag an.
Gerade weil dem Religionsunterricht die Kinder, die in dieser Gesellschaft aufwachsen, nicht EGAL sind, muss er sich der veränderten Herausforderung der Gegenwart, der jetzigen LAGE stellen.
Wie wird der Religionsunterricht in der Grundschule von der Gesellschaft und insbesondere von den Eltern der Kinder eingeschätzt?
Ist ihnen der Religionsunterricht egal? Sind die Leistungsfächer, Mathematik und Deutsch, ihnen nicht allein wichtig?
Werden die Nebenfächer, Musik, Kunst und Religion zwar als eigenständige Fächer wahrgenommen, aber in ihrer Bildungsqualität überhaupt gewürdigt?
Spätestens seit der Corona-Pandemie werden die sogenannten Nebenfächer und das soziale Miteinander in der Schule aus der Perspektive der Elternhäuser bewusster wahrgenommen. Es ist den Eltern ganz und gar nicht egal, was ihre Kinder außer Mathematik und Deutsch noch alles in der Schule lernen.
Auf einmal wird beides als gleich (equal, egality) wichtig anerkannt, die Anforderungen der Leistungsfächer auf der einen Seite, sowie das frohe Miteinander auf der anderen Seite, die Anspannung einerseits und die Entspannung andererseits.
Dies betrifft auch die expliziten Leistungsfächer an sich, denn
auch der Mathematik- und Deutschunterricht soll die Kinder nicht überfordern, sondern durch abwechslungsreichen Unterricht Entspannungsphasen enthalten und die Schülerinnen und Schüler ganzheitlich ansprechen. Umgekehrt erwarten die Eltern von den Nebenfächern aber auch, dass ihre Legitimität begründet ist, dass es nicht nur um Entspannung geht, sondern dass da auch Wichtiges gelernt wird.
auch der Mathematik- und Deutschunterricht soll die Kinder nicht überfordern, sondern durch abwechslungsreichen Unterricht Entspannungsphasen enthalten und die Schülerinnen und Schüler ganzheitlich ansprechen. Umgekehrt erwarten die Eltern von den Nebenfächern aber auch, dass ihre Legitimität begründet ist, dass es nicht nur um Entspannung geht, sondern dass da auch Wichtiges gelernt wird.
Dies deckt sich mit unserem Selbstverständnis, wenn der Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach im Fächerkanon mit seinem Anspruch, ein Leistungsfach zu sein, eingefordert wird.
Arbeit und Muße werden erlebt wie die zwei Seiten einer Medaille oder man könnte es benediktinisch ausdrücken und feststellen, dass das ORA et LABORA endlich wieder in einem angemessenen Verhältnis zueinanderstehen darf, nachdem Schule lange Zeit in der Außenwahrnehmung auf ihre Leistungs-vermittlungsfunktion reduziert wurde.
Arbeit und Muße werden erlebt wie die zwei Seiten einer Medaille oder man könnte es benediktinisch ausdrücken und feststellen, dass das ORA et LABORA endlich wieder in einem angemessenen Verhältnis zueinanderstehen darf, nachdem Schule lange Zeit in der Außenwahrnehmung auf ihre Leistungs-vermittlungsfunktion reduziert wurde.
Eltern nehmen heute wieder sehr sensibel wahr, was die Schule jenseits ihres Leistungsanspruchs vermitteln kann und sollte. Es geht um ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Arbeit und Freizeit, die Kinder weder zu überfordern, noch zu unterfordern. Eltern wünschen sich zu Recht, dass ihre Kinder nicht als funktionierende Leistungsträger die Schule verlassen, sondern dass sie sich in ihrem ganzen Menschsein entfalten konnten.
Sie freuen sich, wenn in der Schule Theaterprojekte angeboten werden, musikalische und künstlerische Angebote hoher Qualität gezeigt werden und wenn ihre Kinder aus der Schule nach Hause kommen und begeistert erzählen, was sie alles erlebt haben.
Dies ist eine große Chance für den Religionsunterricht, weil er einen Puzzlestein im Potpourri der Lernangebote hinzufügt, wie kein anderes Fach es anbietet. Wenn Kinder zu Hause begeistert erzählen, was sie im Religionsunterricht gelernt haben, wenn sie möglicherweise auch nachdenklich nach Hause kommen, weil endlich einmal jemand mit ihnen über die großen Fragen z.B. der Endlichkeit des Lebens, der Klimakatastrophe, der Unendlichkeit des Universums, der Ängste und Sorgen angesichts des Angriffskrieges in der Ukraine spricht, und wenn sie mit ihren Eltern zu Hause engagiert und differenziert weiterdiskutieren.
Dann merken die Eltern, dass die Kinder im Religionsunterricht auf eine besondere Weise gefördert werden, die zutiefst menschlich ist. Der Mensch, der sich dadurch auszeichnet, dass er nach dem Warum fragt und sich eben nicht mit Vordergründigem zufriedengibt. Dann wird vielleicht klar, welche persönliche und gesellschaftliche Relevanz das Fach Religion im Bildungsbereich hat.
Es bedarf dazu Mut und gleichzeitig Zuversicht, dass dieser Prozess, wenn er einmal angestoßen wird, seinen Weg nimmt. Unser gemeinsames Ringen und Suchen nach adäquaten Vermittlungswegen des Religiösen im Rahmen der Schule soll dazu anregen, sich und das eigene Fach nach außen selbst-bewusst zu präsentieren.
Das Fach Religionslehre hat einen GLEICH hohen Stellenwert wie die anderen Fächer und ist in diesem Sinne EGAL, d.h. gleichwertig. Denn die uns anvertrauten Kinder sind uns eben nicht egal!
Es ist Zeit, dass wir uns nicht mehr ängstlich hinter verschlossenen Klassenzimmern verschanzen und stattdessen die Türen weit öffnen, dass alle Welt sieht, was im Religionsunterricht Tolles geleistet wird, und wir transparent machen, wie wir mit den Kindern arbeiten.
Es ist Zeit, dass wir uns nicht mehr ängstlich hinter verschlossenen Klassenzimmern verschanzen und stattdessen die Türen weit öffnen, dass alle Welt sieht, was im Religionsunterricht Tolles geleistet wird, und wir transparent machen, wie wir mit den Kindern arbeiten.
